Narrenzunft Biberschwanz Bietingen e.V.

Chronik

1927 bis 1957


Bereits kurz nach dem 1. Weltkrieg war diese Narrengesellschaft sehr aktiv. In der leider etwas lückenhaften Chronik lassen sich die Narreteien in Bietingen bis ins Jahr 1927 zurückverfolgen.
Mit den ersten Narrenfreunden wurde schon damals eine geregelte Fasnet in unserem Dorf abgehalten. Vom Einholen des Narrenbaumes bis zum Stellen desselben vor dem Hotel „Bellevue“ – heutiger Kranz- am Schmutzigen Dunschtig über den Hendglonkerball, den Kinderumzug am Fasnetdienstag und der anschliessenden Fasnetbeerdigung hat sich die Fasnet in ihrer damaligen Form bis heute erhalten.
Närrische Pamphlete zur Verunglimpfung der Grosskopfeten und der Obrigkeiten gab es schon damals. War es 1927 noch die „Giftspritze“, änderte sie nicht ohne Grund 1937 ihren Namen auf „Bietinger Gelächter“, um nach dem Krieg wieder als „Giftspritze“ zur erscheinen. Ab 1954 erschien zur Fasnetzeit dann die „Valutinger Schnitzelbank“.

Auch der 2. Weltkrieg konnte den Valutinger Narren ihr Treiben nicht verleiden. Anfang der 50iger Jahre war es ein einzelner Narr, der die Narrengesellschaft wieder ins Leben rief. Diese sogenannten Fasnachtsorganisationskomittees wurden allerdings nach den närrischen Tagen aufgrund chronischen Geldmangels oder anderer unerfindlicher Gründe wieder aufgelöst, um in genau so wiederkehrender Konstanz zur nächsten Fasnet mit neuen Geldgebern wieder ins Leben gerufen zu werden.
Dass die Fasnet schon damals eine sehr ernste Angelegenheit war, bezeugt die Amtsniederlegung aller Elferräte im Jahre 1956 aufgrund einer Beziehungskrise mit der Musikkapelle.

Doch dieser närrischen Untätigkeit wurde jäh ein Ende gesetzt, nachdem die Musik beim Narrenbaumstellen, welches sie in ihrem jugendlich naiven Eifer von den beleidigten Elferräten übernommen hatte, der örtlichen Stromversorgung einen empfindlichen Dämpfer versetzt hatte. Weite Teile des Dorfes waren stromlos und die Milch wurde mangels möglicher Melkmittel bereits im Euter sauer. Der Ruf nach erfahrenen Fasnächtlern wurde so schnell laut und blieb, wie man heute sieht, auch nicht ungehört.

1958 bis heute


So kam es am 18.11.1958 im Gasthaus Linde zur Gründung der Zunft durch die Elferräte. Die Vorstandschaft bestand aus Zunftmeister, Säckelmeister und Protokollarius. Auch ein Narrenpolizist war von Anfang an dabei. Trotz des heute eher minimalistisch anmutenden Vereinsbeitrages von 1 DM konnte eine einheitliche Zunftkleidung angeschafft werden, allerdings nur unter grössten Mühen und persönlichen Entbehrungen – 2 Bier weniger pro Veranstaltung- aller Hästräger!
Die in den darauf folgenden Jahren stattfindenden Propagandafahrten in die umliegenden Nachbargemeinden diente zum einen der Bekanntmachung der Valutinger Fasnet und natürlich auch der Ertüchtigung von Leber, Magen, Geist und Körper kurz vor der 5. Jahreszeit.
Wie strapaziös diese vorfasnächtlichen Expeditionen waren bezeugt ein Zeitdokument aus jenen Tagen:


Und wieder ging, man glaubt es kaum,
Ne Woche um, schnell wie im Traum.
Es kam der acht Februar,
Der Tag, der Propagandafahrt.
Es war ein eiskalter Tag,
Der böse Ostwind pfiff durch s’Mark,
Der Nase Abguss bildet Zapfen,
Gratis dazu, gab’s weisse Kappen.
Der Knochen Glieder wurden starr,
Von Bordkapell und Elferrat.

Trotz des Wetters schlechter Launen,
Stand Humor in allen Augen,
Auf der Fahrt durch Thayngens Strassen,
Wurde die Fasnacht ausgeblasen.
Um zu stärken, Herz und Magen,
Und vor Frost, ihn zu bewahren,
Machte man nen kurzen Halt,
Denn die Socken waren kalt.
Bei etwas Witz und Lieder singen,
Ging’s dann weiter nach Ebringen.

Droben auf des Himmels Thron,
Lacht der alte Petrus schon,
Schmunzelnd reibt er mit den Händen,
Bei diesen Thermometerständen.
Er meint’s ist aus mit Heiterkeit,
Erfroren ist die Fröhlichkeit.

So wurde zum Trost, noch Einer gekippt,
Vom Bietinger Elferrat und seiner Musik.
So ziehn wir uns nun von der Fahrt zurück,
Mit rötlichen Nasen und bläulichem Blick.


Bereits im ersten Vereinsjahr wurde der noch heute allseits beliebte Narrenspiegel das Biberschwanzgeflüster aus der Taufe gehoben.

Bereits im Gründungsjahr regte der damalige Znftmeister die Gründung einer Zunftgarde an. Dieses emanzipierte Anliegen wurde allerdings vehement durch seinen eher traditionalistisch eingestellten Elferrat mit der Begründung, Garden gehörten zum Karneval und nicht zur alemannischen Fasnet, abgelehnt.
So sollte es noch 2 Jahre dauern, ehe eine Elfengruppe die honorigen Elferräte mit ihrem Charme und ihrer Grazie umrahmen konnte.

Um die damalige Zunftkapelle nicht über die Massen zu strapazieren, musste die Musikkapelle Schlatt a. Randen engagiert werden. Trotz des im Schlatter Repertoire fehlenden Narrenmarsches, verstand sie es doch, das schon damals sehr verwöhnte Valutinger Publikum in närrische Hochstimmung zu bringen.

In diese Zeit fällt auch die Eintragung in das amtsgerichtliche Vereinsregister und die damit verbundene Anerkennung der Gemeinnützigkeit und die Beitrittsbemühungen zur Narrenvereinigung Hegau-Bodensee.
Die Unterhaltungsabende fanden zunächst in der alten närrisch dekorierten Turnhalle statt, mussten aber nach deren Verkauf einige Jahre im viel zu kleinen Kranzsaal abgehalten werden. Filme aus dieser Zeit zeigen allerdings, dass die räumliche Enge der Stimmung keineswegs einen Abbruch tat.
Das Biberschwanzgeflüster war und ist bis heute der Höhepunkt der Valutinger Fasnet.
Von der Qualität dieses Narrenspiegels zeugen die vielen ortsfremden Zuschauer und Zünfte, die immer wieder begrüsst werden können.

Eine anfänglich wilde Hexengruppe – namentlich die Frauen- Gymnastikgruppe des TV Bietingen- hatte sich zwischenzeitlich der Zunft angeschlossen. Sie bereicherten mit ihren Vorführungen und Tänzen das närrische Programm.
Am 11.11.1973 beschloss die Zunft, diese Hexengruppe in die noch heute bestehende Bibermaskengruppe umzuwandeln.
(Anm. d. R. : Seither spricht der Volksmund von Hexen im Bibergewande)
Zur der von Norbert Benz nach einem Entwurf von Magret Kirch geschaffenen Bibermaske gehört eine geknüpfte Kutte.
Das aufwendig gestaltete Häs musste von den Trägerinnen selbst geknüpft werden und liess somit keinen Zweifel darüber bei der Straminquälerin aufkommen, wenn sie dann endlich fertig war, dass sie auch gerne der Zunft angehören wollte.
Dass diese Mühe nicht umsonst war und ist, beweisen die vielen Zeitungsbilder bei offiziellen Umzügen, bei denen das Biberhäs zum beliebten Photomotiv geworden ist. Ein weiterer Vorteil dieser Häsmachart stellt auch der enorme Wärme- Dämmwert der Kutte in der doch ab und an sehr frostigen fünften Jahreszeit dar.
Um dieses Häs herstellen zu können bedurfte es Unmengen von Wolle – ca 100 kg. Dank der Erfindung von Zunftmeister, Tüftler und Grossfabrikant Ewald Wirsch, der automatischen Wollkonfektioniermaschine, konnten die Wohlfäden auch recht speditiv auf die geforderten 7 cm abgelängt werden.

Bereits fünf Jahre nach der Gründung mit 11 Masken wurden dann 10 weitere Masken mit Häs angeschafft.
Dass diese Gruppe nicht nur Blickfang bei Umzügen ist, beweisen die geforderten Zugaben bei ihren unzähligen Auftritten am Biberschwanzgeflüster.
Als fester Programmpunkt beim Narrenspiegel sind sie an der Valutinger Fasnet nicht mehr wegzudenken.

Als 1987 die Vereinsfahne der Narrenzunft neu gestickt wurde, diente die Bibermaske als Vorlage.
Wer allerdings auf die Schnapsidee gekommen ist, den Fahnengalgen aus Schmiedeeisen herzustellen, entzieht sich der Kenntnis des Redakteurs.
Kreuzlahmheit und Bandscheiben-vorfälle haben sich bei den Fahnenträgern nachweislich gehäuft.

1979 gründete sich dann die Holzergruppe mit dem wohlklingenden Namen „Valutinger Hau- Ruck Holzer“.
Der Oberholzer bekommt jeweils den Titel OH.. (OberHolzer..) verliehen.

Hauptaufgabe war es, am Schmutzige Dunschtig im Wald den Narrenbaum zu schlagen und anschliessend ins Narrenbaumloch vor dem Kranz zu stellen, was in so manchem Jahr zu einer wahren Herausforderung wurde, wollten doch Stichler oder Scher nicht immer so wie ihre Operateure.
Mit der Verlosung des Fasnetwahrzeichen am Fasnet Dienstag am Ende des Kinderballs wird auch die Saalfasnacht beendet, um dann die Fasnet feierlich de Bach ab z’loh.
Auch diese Gruppe sorgte von Beginn an bei den Narrenspiegeln mit ihren grazilen und fast feenhaften Tanzdarbietungen für reichlich Gelächter unter den närrischen Zuschauern.

Besondere Highlights der Holzer waren die Transporte des Narrenbaums nach Lüdenscheid und Regensburg zu den dort wohnhaften Gewinnern.

Die Ausrichtung des Gebietsnarrentreffens der Narrenvereinigung Hegau- Bodensee im Jahre 1977 geriet schon fast zu einer Hochwasserübung für angehende Katastrophenhelfer, leugnete Petrus doch am Sonntagmittag sehr deutlich seine Mitgliedschaft in der Narrenzunft Biberschwanz!

Bereits 6 Jahre später, anlässlich des 25jährigen Vereinsjubiläums, wurde dann auch dem letzten stockkatholischen Narr klar, dass es der Himmel mit den Valutinger Narren nicht allzu gut meinen konnte.
Nachdem es beim ersten Narrentreffen gründlich nasse Socken gegeben hatte, liess Petrus seinen Kumpel Boreas (Anm. d. R.: Gott des Nordwindes) den Narren beim Zeltaufbau so vehement den Marsch blasen, dass das Selbige von den Selbigen nachdem die Zeltplane zerrissen war, dem Verleiher zurückgebracht und durch ein windbeständigeres Giebelzelt ersetzt werden musste.
Doch nicht genug des meteorologischen Unbills, in den darauf folgenden Nächten wurde es so bitterkalt, dass selbst die Zeltheizung das Närrische Publikum nur unzureichend erwärmen vermochte, was dieses jedoch mit einem gesteigerten Alkoholkonsum wettzumachen versuchte.
Dieses Vorhaben glückte denn auch, wenngleich die etwas durchgefrorenen Zunftoberen sich fest vornahmen, das nächste Grossereignis nur noch auf dem Rentnerbänkle mitzuerleben.

Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte bildet die Einweihung des Grillplatzes an der Friedenslinde oberhalb vo de Steig. Die gemauerte Feuerstelle, der drehbare Galgen aus Akazienholz, und die vom Siedlerbund hergerichtete Grünanlage machen den „Flohmarktgrill“ zum beliebten Ausflugsziel nicht nur für Bietinger.

Alljährlich zum 1. Mai eröffnet der Elferrat die Grillsaison mit einem deftigen Grillfest, das von Bietinger und auswärtigen Maiwanderer gerne angenommen wird. Der finanzielle Grundstock für den Grillplatz wurde, daher auch der Name, am närrischen Flohmarkt am Fasnetsunntig geschaffen.
Dieser Flohmarkt zog alle 2 Jahre Narren und Närrinnen von Nah und Fern an, konnte man doch nur bei uns in Valutingen das legendäre Biber River Rafting (uf guet allemannisch: de Bach abi flosse) erleben.
Zudem liessen sich an diesem Flohmarkt diverse physikalische Weltwunder käuflich erwerben.

Dass auch die Freundschaftspflege nicht zu kurz kommt, zeigen die jährlichen Bildungs-wallfahrten nach Randegg und Bietingen- Sauldorf.
Beide Zünfte besuchen sich wechselweise am 11.11. oder zum Sommerfest. Wobei man mit und bei den Randeggern schon manchen Schabernack gemacht hat oder aber ertragen musste.
Mit den Bietinger Bachrosen verbindet die Narrenzunft Biberschwanz eine Freundschaft, die auf der Patenschaft beim Eintritt der Bachrosen in die Vereinigung gründet.

Als Dankeschön der Zunft an alle ihre Aktiven findet im Sommer das legendäre Wolfenbuckfest statt. Leider meinte es Petrus die letzten Jahre nicht allzu gut mit den Biberschwänzen, so dass das Wolfenbuckfest nun öfters am Sportplatz stattfindet.

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15.02.2019: Unseren Narrenfahrplan gibt es jetzt auch als PDF-Download.
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13.01.2019: Wir sind online! Die neue Internetseite der Narrenzunft ist online - Wir freuen uns, dass ihr den Weg hierher gefunden habt.

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05.01.2019: Die Narrenzunft Biberschwanz Bietingen ist jetzt auch in den sozialen Netzwerken online - Besucht uns auf Facebook und Instagram.

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11.11.2018: Die Fasnacht 2019 wurde eröffnet - Wir freuen uns.

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Unser Fasnetsmotto für die Fasnacht 2019 wurde am 11.11.2018 verkündet:

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